Die Erfolgsgeschichte auf einen Blick
Der Energiekonzern BP investiert Milliarden von US-Dollar in Hochsee-Ölförderanlagen im Golf von Mexiko und wendet während der Wirbelsturmsaison, die ein halbes Jahr dauert, viel Zeit für die Überwachung der Sicherheit seiner Mitarbeiter und Anlagen auf. Das Unwetterteam von BP in Houston, Texas verbrachte früher während der Wirbelsturmsaison viele Stunden am Tag mit der Beobachtung von Stürmen. Krisenmanager pflegten Dutzende von Datenströmen manuell ein, während millionenschwere Entscheidungen in der Luft hingen. Um diese zeitaufwändige und stressbehaftete Erfassung und Zusammenführung der sich ständig ändernden Sturmdaten zu erleichtern, erstellte BP mithilfe von Microsoft®-Software das webbasierte Crisis Management Mapping System (ein Krisenmanagement-System). Diese Lösung zur Datenvisualisierung sammelt Echtzeitwetterdaten und überträgt diese auf die Landkarten, auf denen die Standorte der Mitarbeiter und Anlagen verzeichnet sind. Durch die Automatisierung seiner Überwachungsvorgänge konnte BP jeden Tag Stunden manueller Arbeit einsparen und wichtige Entscheidungen beschleunigen. Die Krisenteams von BP können Wettergefahren nun besser und schneller erkennen und zügiger und effektiver darauf reagieren. Vermessungsingenieure brauchen nicht mehr so viel Zeit in das Krisenmanagement zu stecken, sondern können sich stattdessen auf die Suche nach Öl und Gas konzentrieren. Darüber hinaus kann BP Unterbrechungen bei der Ölförderung minimieren und so den Anforderungen einer von Wirbelstürmen geplagten Region nachkommen.
Wenn sich die Wirbelstürme im Golf von Mexiko zusammenbrauen, wird in den Küchen von Richard Baker und Brian Autio der Kaffee aufgebrüht. Dies kann auch schon einmal um 2:00 Uhr morgens der Fall sein. Baker und Autio, beide leitende Vermessungsingenieure beim Energiekonzern BP, gehören zu einem Team, das sich um die Anlagen des Unternehmens im Golf von Mexiko kümmert. Dazu gehören acht Tiefseeölförder- und bohrplattformen, Tausende von Kilometern an Pipelines, mehr als 100 Tankstationen und Büros und mehr als 2.000 Hochseearbeiter. Diese ölreiche Region wird jedes Jahr von Juni bis Dezember von Wirbelstürmen heimgesucht. Die Beobachtung und Projizierung von Sturmverlauf und -intensität sind von entscheidender Bedeutung für den Schutz der BP-Mitarbeiter und -Anlagen und für die Einleitung von Hilfsmaßnahmen für Sturmopfer. Um diese Maßnahmen so effektiv wie möglich zu gestalten, benötigt BP zeitnahe und genaue Wetterdaten und muss wissen, wo sich die Mitarbeiter und Anlagen genau befinden. BP hat seine Vorgehensweise zur Überwachung von Stürmen vollständig geändert. Jetzt setzt das Unternehmen Software ein, die Dutzende von Datenströmen integriert und die Daten visuell darstellt. Das Ergebnis sind schnellere und bessere Entscheidungen, die in wesentlich kürzerer Zeit getroffen werden können.
Nervenaufreibende Sitzungen
Vor nicht allzu langer Zeit verwaltete BP die Sturmbeobachtung noch mithilfe von Papierkarten, die an der Wand befestigt wurden. Reißzwecken markierten die Sturmverläufe und die Standorte der Mitarbeiter. Um alle benötigten Daten zu sammeln, kamen Autio und Baker um 3:00 Uhr zur Arbeit, luden drei Stunden lang Informationen aus dem Internet herunter und bereiteten die Karten bis zur täglichen Sitzung des Krisenteams um 6:00 Uhr vor. Sie importierten Satellitendaten und andere Daten in Visualisierungssoftware, integrierten Dutzende von Datenquellen, überprüften die Daten auf Genauigkeit und sendeten Aktualisierungen per E-Mail an die Teammitglieder. Die Atmosphäre während der Sitzungen – und die Vermessungsingenieure – waren mit Herannahen des Sturms zunehmend angespannt. „Es wurde viel auf unserer Genauigkeit herumgeritten, was nervenaufreibend war“, sagt Autio, Vermessungsingenieur des Unwetterteams der strategischen Unternehmenseinheit von BP im Golf von Mexiko. „Einige Berechnungen erforderten knapp 100 Rechenschritte, und bei jedem Schritt konnten sich unbeabsichtigte Fehler einschleichen. Während der Wirbelsturmsaison gab es manchmal drei bis vier Sitzungen pro Tag, d. h. wir mussten diese aufwendigen Berechnungen mehrfach täglich durchführen.“
„Das Gute an unserem Job ist, dass wir zum Schutz von Menschen beitragen“, fügt Baker, Senior Survey Technologist (leitender Vermessungstechniker) des Unwetterteams, hinzu. „Der Nachteil des Jobs ist, dass er sehr stressig ist. Wir stellen Daten in den Raum, die der Störfalleinsatzleiter als Grundlage für millionenschwere Entscheidungen verwendet. Ein Fehler in unseren Berechnungen kann ernste Auswirkungen auf die Sicherheit der Mitarbeiter und Anlagen haben.“
Visuelle Darstellung von integrierten Daten
Nach der Erschöpfung und der Angst, die der Hurrikan Katrina 2005 nach sich zog, begannen Krisenmanager damit, nach besseren Möglichkeiten zu suchen, Sturminformationen zu sammeln und zu verwalten. Sie strebten eine Lösung an, die Mitarbeiter- und Anlagendaten von BP mit externen Wetter-, Verkehrs-, Gebäude- und anderen Daten zusammenführt und diese gemeinsam grafisch darstellt. Das Ziel war, auf einfache, ja intuitive Weise zu erkennen, welche Mitarbeiter möglicherweise in Gefahr sind, ohne dazu Daten langwierig zusammenführen oder umfangreiche Berechnungen durchführen zu müssen, was bisher nötig war. Sie suchten zudem nach einer webbasierten Lösung, um Kosten zu senken und allen BP-Mitarbeitern weltweit Zugriff auf das System zu ermöglichen – unabhängig davon, ob sie sich am Hauptsitz von BP in Großbritannien, in Houston oder auf einer Tiefseeplattform befinden. BP wandte sich an die Microsoft® Certified Partner IDV Solutions und The Information Store, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Die Unternehmen erstellten zusammen mit BP das BP Crisis Management Mapping System (CMMS, Krisenmanagement-System), das dreidimensionale Satellitenbilder und Echtzeitwetterdaten mit Symbolen, die BP-Mitarbeiter und Anlagen repräsentieren, kombiniert. Das Ergebnis ist eine visuelle Darstellung, anhand derer Krisenmanager Wettermuster und deren mögliche Auswirkung auf Mitarbeiter und Einrichtungen besser und schneller als zuvor erkennen können.
Mit CMMS können Autio und Baker 20 bis 30 Datenströme automatisch integrieren, die sie zuvor manuell einpflegen mussten. Anschließend werden die visuellen Ergebnisse in einem Webportal veröffentlicht. Durch die Webbasierung der Lösung werden die Bereitstellungsdauer und -kosten auf Null reduziert, und jeder autorisierte Benutzer kann direkt und von jedem Standort aus auf die Lösung zugreifen. Bei der Aktualisierung und Erweiterung der Lösung muss zudem keine zusätzliche Software im unternehmensweiten Netzwerk von BP bereitgestellt werden. In nur zwei Wochen erstellte BP einen funktionsfähigen Prototyp. Dies ging so schnell, weil das Unternehmen bereits vorhandene Software nutzte. Die Microsoft-basierte Lösung ruft Anlagendaten aus verschiedenen Datenbanken, Mitarbeiter-daten aus einer weiteren Datenbank und Karteninformationen wiederum aus einer anderen Datenbank ab. Die Lösung verwendet auch Echtzeitwetterdaten und andere Daten aus externen Quellen. Die Entwickler schätzen, dass ihre Entwicklungszeit durch die Nutzung der vorhandenen BP-Infrastruktur und Microsoft- Technologien auf die Hälfte reduziert wurde, sodass die Lösung in nur drei Monaten fertig gestellt werden konnte.
Schnellere, bessere Entscheidungen im Krisenfall
Durch das Krisenmanagement-System wurden Aufgaben, die zuvor nervenaufreibend waren und endlos erschienen, zu einfachen Aufgaben, die genug Zeit übrig ließen, um komplexe Risiken genau zu berechnen und die besten Entscheidungen zu treffen.
„Die Datenvisualisierung verändert unsere Arbeitsweise“, sagt Steve Fortune, CIO (Chief Information Officer) der strategischen Unternehmenseinheit von BP im Golf von Mexiko. „Die Darstellung der Daten auf einer kartenbasierten Oberfläche ist unglaublich. Man hat einen viel besseren, umfangreicheren und intelligenteren Überblick über die Geschehnisse.“ Dank des besseren und intelligenteren Überblicks können die BP-Krisenteams wichtige Entscheidungen in kurzer Zeit treffen, anstatt dafür Stunden aufzuwenden. Alle Teammitglieder können sich gleichzeitig dasselbe Bild ansehen und gemeinsam „Was-wäre-wenn-Szenarien“ erörtern. Der große Zeitaufwand, der früher durch das Neuzeichnen von Karten, das Diskutieren von Optionen, das Aussprechen von Empfehlungen und das Warten auf Genehmigungen entstand, konnte drastisch gesenkt werden.
Da alle autorisierten BP-Mitarbeiter dieselben Daten in Echtzeit über das globale Intranet anzeigen können, können mehr Mitarbeiter an kostspieligen Entscheidungen mitwirken, z. B. ob Anlagen geschlossen oder Mitarbeiter evakuiert werden sollen. Bisher zog sich eine Entscheidung mit zunehmender Anzahl von beteiligten Mitarbeitern in die Länge. Durch CMMS können Teammitglieder hingegen zusammenarbeiten und schneller eine Lösung finden. „Jeder verwendet jetzt dieselbe Seite“, so Baker. „Unsere Mitarbeiter auf den Hochseeplattformen haben jetzt mehr Vertrauen zur Kommandozentrale in Houston.“
Autio fügt hinzu: „Wichtig ist auch, dass unsere Unternehmensführung und selbst externe Betroffene sehen, was das Krisenteam sieht, denn sie möchten auf dem Laufenden gehalten werden. Die visuelle Darstellung der Zusammenhänge macht dies einfacher möglich als das Durcharbeiten von Dokumenten.“ Als sich vor einigen Jahren der Wirbelsturm Ivan zusammenbraute, verlangte das Team aus Houston die Schließung der Ölplattformen im Golf. Die Londoner Presse fragte sich warum, denn aus ihrem Blickwinkel war der Sturm nicht größer als ein kleiner Punkt im Golf von Mexiko. Autios Team legte daraufhin ein Satellitenbild von Ivan über eine Landkarte von England. Der Sturm verdeckte die gesamte Insel. Die Londoner Reporter hatten verstanden.
Weniger Stress, höhere Produktivität
Für Autio und Baker hat sich nicht nur die Produktivität verbessert, sondern auch die Lebensqualität. „Durch den Einsatz von CMMS hat sich der Arbeitsstress komplett umgekehrt“, sagt Autio. „In einer Krisensitzung serviert man mir und Richard nun die Neuigkeiten. Das passiert jetzt ständig.“ Baker fügt hinzu: „Ich gehe viel relaxter in diese Sitzung. Ich weiß, dass alle Daten vorhanden und fehlerfrei sind. Wenn uns der Störfalleinsatzleiter fragt, wo sich der Sturm in drei Tagen befinden wird, muss ich keine Tabelle mehr herausziehen und mit verschwitzten Händen Zahlen in den Taschenrechner eintippen. Jetzt halte ich einfach den Mauszeiger über einen Punkt auf der Karte und zeige ihm an Ort und Stelle die projizierte Laufbahn des Wirbelsturms. Es ist, als würde man jetzt mit einem modernen Textverarbeitungsprogramm arbeiten anstatt mit einer alten mechanischen Schreibmaschine.“ Durch den Einsatz von CMMS sparen Autio und Baker während der Wirbelsturmsaison täglich drei Stunden Arbeit. „Wir brauchen nicht mehr um 3:00 Uhr zur Arbeit zu kommen und drei Stunden lang Daten zusammenzuführen“, so Autio. „Das macht CMMS für uns. Wir haben jetzt Zeit, Daten zu analysieren, anstatt diese Zeit mit der Suche und Integration von Daten zu verbringen. Dies bedeutet, dass wir uns mehr um den Schutz unserer Mitarbeiter kümmern können.“
Dank dieser Zeitersparnis können Autio und Baker jetzt ihren eigentlichen Aufgaben nachgehen – Ölquellen kartieren, Plattformen katalogisieren und BP bei seinem Kerngeschäft unterstützen – dem Bohren nach und Fördern von Öl und Erdgas. „In der Zeit, in der wir keine Sturmverläufe kartieren, arbeiten wir an zeitkritischen Projekten zur Ölförderung“, erklärt Baker. „Bei einer Verzögerung dieser Arbeit verliert das Unternehmen jeden Tag Tausende von Dollar, da keine Bohrungen und keine Ölförderung stattfinden. Da ich jetzt nicht mehr den ganzen Tag Daten zusammenstellen muss, kann ich mich früher um diese Dinge kümmern.“
Schnelle Wiederaufnahme der Ölförderung
Die Sicherheit der BP-Mitarbeiter steht bei einem Unwetter an erster Stelle. Gleichzeitig ist man bestrebt, die Dauer zwischen der Schließung einer Anlage und der Wiederinbetriebnahme möglichst kurz zu halten, damit das Unternehmen die Öl- und Gasförderung wieder aufnehmen kann, wenn die Bevölkerung sie am nötigsten braucht: nach einem Wirbelsturm. Dazu importiert eine BP-Gruppe Logistikdaten in CMMS, um die Lieferung von Ersatzteilen und die Reparatur nach einem Unwetter zu beschleunigen. „Die Technologie ist uns wirklich eine große Hilfe dabei, das Zeitfenster zwischen der Schließung und der Wiederinbetriebnahme so klein wie möglich zu halten. So können wir die Lieferung von Öl besser sicher-stellen“, so Nicola Montorsi, Director of Public Affairs (BP-Direktor für öffentliche Angelegenheiten für die Region des Golfs von Mexiko). „In dieser Hinsicht profitiert auch der Verbraucher von CMMS.“
Einsatz der Visualisierungstechnologie in anderen Krisen
Seit der Einführung von CMMS haben die BP-Gruppen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für die Visualisierungslösung gefunden. Eine Gruppe ergänzte eine Funktion, mit der Schiffe und Helikopter in Echtzeit lokalisiert werden können, um Bohrplattformen bei Rettungs- und Hilfsaktionen mit Hilfsgütern zu versorgen. Eine andere Gruppe fügte eine Funktion zur Nachverfolgung von Mitarbeitern im Falle einer weltweiten Pandemie hinzu. Bohrunternehmen prüfen den Einsatz der Visualisierungsumgebung von Microsoft, um aktuelle Tiefseedaten mit den Standorten der Bohrplattformen zu kombinieren. Sie identifizieren auf diese Weise Strömungen, die die Bohrungen behindern könnten. „Bevor wir diese Technologie eingesetzt haben, waren die wichtigsten Informationen Experten vorbehalten, die sich mit hoch entwickelten Erdbeobachtungstools auskannten“, so Fortune. „Durch den Einsatz einer kostengünstigen, webbasierten Software können Leute wie du und ich die Informationen anzeigen, die sie benötigen. Die Informationen werden dadurch für sehr viel mehr Benutzer nutzbar.
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