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Die Öko-Rechner
IT-Anbieter werben mit ökologischen Rechenzentren. Die Mehrkosten für energieeffiziente Geräte zahlen sich für die Kunden oft rasch aus. Die Computerabwärme heizt sogar Schwimmbäder.
Von Andreas Pankratz
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Die Gemeinde Uitikon im Kanton Zürich hat nicht einmal 4000 Einwohner. Doch die Bewohner des Örtchens können sich neuerdings über eine technische Sensation freuen: Das Wasser in den Schwimmbecken wird nämlich nicht wie gewöhnlich mit teurer Energie aus dem öffentlichen Stromnetz erwärmt.

Stattdessen setzen die Schweizer Abwärme ein, die das Rechenzentrum des örtlichen IT-Dienstleisters GIB-Services abgibt. Das Unternehmen handelt eigennützig: Wärme ist nach wie vor ein lästiges Nebenprodukt, das zwangsläufig beim Betrieb von PCs und Servern entsteht. Das Rechenzentrum von GIB-Services nutzt diese Wärme, statt sie einfach entweichen zu lassen.

Viele Unternehmen der IT-Branche werben neuerdings mit solchen grünen Rechenzentren um Kunden. Hinter dem Schlagwort verbergen sich IT-Anwendungen, die sich durch eine hohe Energieeffizienz auszeichnen. Für Anbieter wie IBM, Dell und T-Systems sowie deren Kunden spielt der Stromverbrauch neben der Leistungsfähigkeit der Produkte inzwischen eine wesentliche Rolle.

Energiekosten als Teil der Entscheidung

"Ein Rechner bringt bei gleichem Stromverbrauch heute eine hundertmal höhere Leistung als vor zehn Jahren", schätzt Mario Tobias, Leiter des Bereichs Technik beim Branchenverband Bitkom. Aber weil heutige Anwendungen eine ungleich höhere Leistung der Geräte benötigen, ist der Stromverbrauch absolut gesehen gestiegen.

"Bei den Kunden war eine hohe Energieeffizienz lange Zeit nicht mehr als ein Bonus." Doch das ändere sich allmählich. Der Preis und die Performance der Systeme sind für Unternehmen nicht mehr das alleinige Auswahlkriterium. Sie entscheiden sich immer häufiger für energiesparende Arbeitsplatzrechner, Server- und Speicherlösungen.

Im Kommen sind zudem sogenannte Thin Clients. Sie verbinden den Arbeitsplatz mit einem zentralen Rechner und ersetzen so einen Großteil der Desktop-PCs. Um den Umweltschutz geht es vielen Unternehmen dabei nur an zweiter Stelle, das wissen auch die Experten. Das erste Argument ist immer die Einsparung von Energiekosten.

Die sogenannte Virtualisierung

"Die Serverzentren in Unternehmen sind über Jahre gewachsen, ohne dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, wie viel Energie die Geräte verbrauchen", sagt Tobias. Das hat einen organisatorischen Hintergrund.

"Die IT-Beschaffung läuft häufig über ein anderes Budget als die Energiekosten. Da kommt es schon mal vor, dass der Verantwortliche der IT günstigere, dafür aber weniger energieeffiziente Geräte anschafft", sagt er.

Vor allem mittelständische Unternehmen lasten im Schnitt ihre Server gerade einmal zu 40 Prozent aus. Weil die aber genauso viel Strom verbrauchen wie im Vollbetrieb, bieten IT-Dienstleister die sogenannte Virtualisierung an. Dabei übernimmt ein einzelner Server mehrere Aufgaben, für die zuvor verschiedene Geräte zuständig waren. Statt magerer 40 Prozent kann ein Server so mit bis zu 85 Prozent ausgelastet werden.

Datenbanken, Mailboxen oder SAP-Anwendungen laufen so auf einem zentralen Rechner, der mehrere andere ohne Leistungseinbußen ersetzt. "Der Anwender spart bei Energie- und Kühlkosten und bei der Anschaffung unnötiger Servermaschinen aufgrund der höheren Geräteauslastung", sagt Thomas Tauer, Leiter des Bereichs Facility bei IBM.

Auch besonders energieeffizientes Zubehör wie Monitore oder Netzwerkequipment dürfen in keinem grünen Rechenzentrum fehlen, werben die Hersteller. Für Susanne Schütz, Vertriebs- und Marketingmanagerin bei Dell, liegen die Vorteile auf der Hand.

"Auch wenn der Anschaffungspreis vielleicht etwas höher liegt als bei herkömmlicher Technik, sind die Kosten aufgrund erhöhter Energie-Effizienz schnell amortisiert." Unternehmen mit mehr als 1000 Angestellten können die Kosten für ein neues Rechenzentrum im Durchschnitt innerhalb von anderthalb Jahren einsparen, rechnet der Bitkom vor.

Verbesserte Nutzung der vorhandenen Ressourcen

Dennoch scheuen sich vor allem kleinere Unternehmen, in die neue Technologie zu investieren. Für die IT-Branche sind "grüne Rechenzentren" deshalb keine Garantie für ungebremstes Wachstum. "Viele Unternehmen gehen die Technologiezyklen nicht mit und betreiben ihre Geräte viel zu lange - auch wenn sie das letzten Endes mehr kostet als die Investition in neue", beklagt Olaf Heyden, Leiter des Bereichs Informationstechnologie bei T-Systems.

Vielleicht zeigen sich viele Unternehmen auch zurückhaltend, weil sie zuerst noch andere Optionen prüfen wollen, bevor sie in teure Technik investieren. "Eine ganze Industrie versucht neue, grüne Technologie zu verkaufen. Tatsächlich aber könnten die meisten IT-Abteilungen einen größeren Effekt erzielen, wenn sie ihre derzeitigen Systemressourcen besser nutzten", bestätigt Andy Mulholland, Chef-Technologe beim Beratungsunternehmen Capgemini.

So können Firmen zum Beispiel Kosten sparen, indem sie die Kühlung ihrer Server leicht drosseln. Einen ebensolchen Effekt erreichen sie mit einer noch einfacheren Methode: Wenn sie ihre Angestellten bitten, ihre Rechner während der Mittagspause auszuschalten.



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