Stillstand bedeutet Rückschritt, Innovation bedeutet Sicherheit für die Zukunft. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel rief kürzlich dazu auf, in der Krise nicht die Stärkung der Innovationskraft aus den Augen zu verlieren. Der Microsoft Executive Circle sprach mit einem ausgewiesenen Experten für Innovationsmanagement. Professor Doktor Peter Russo ist einer der beiden Leiter des Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel.
Executive Circle: Viele Unternehmen neigen in der Krise zu defensiven Strategien, obwohl doch immer gefordert wird, antizyklisch zu handeln. Warum gehen die wenigsten in die Offensive?
P. Russo: Viele Unternehmen scheuen sich, in wirtschaftlich schlechten Zeiten in ihre Innovationskraft zu investieren. Dabei ist es gerade dann notwendig, das Geld aus guten Zeiten auszugeben, um in die Zukunft zu investieren. In der Kaufkraftkrise können sich viele Unternehmen eine konsequente Markenführung oder eine aggressive Werbestrategie gar nicht leisten. Wenn die Kaufkraft sinkt, müssen sie sich auf interne Verbesserungen und Prozessoptimierungen konzentrieren. Vielen fehlt schlichtweg leider auch der Mut oder der Weitblick, antizyklisch in Innovation, Vertrieb, Marketing und Mitarbeiterqualifizierung zu investieren.
Executive Circle: Wie können Unternehmen das ändern?
P. Russo: Unternehmen sollten eine langfristige Unternehmensstrategie entwickeln und Innovation und Wachstum als grundsätzliche Ziele definieren. Ein professionelles Innovationsmanagement gehört ebenso dazu wie in die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter zu investieren. Es können sich langfristig nur die Unternehmen positionieren, die es schaffen, ihren Fach- und Führungskräften eine langfristige Perspektive zu bieten. Unser Institut leitet sowohl branchenspezifische als auch themenbezogene Arbeitskreise, in denen Praxisvertreter führender Unternehmen veränderte Rahmenbedingungen diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze erarbeiten. Sich in einem stabilen Netzwerk zu bewegen, aktiv an Lösungsansätzen mitzuarbeiten, ist für Unternehmen ein zusätzlicher Erfolgsfaktor. Der Aufbau von solchen Clustern fördert die Innovationskraft.
Executive Circle: Wie kann ein Unternehmen möglichst schnell zu einem innovativen Unternehmen werden?
P. Russo: Indem es ein professionelles Innovationsmanagement etabliert und seine Mitarbeiter als Unternehmer begreift, die gefördert und gefordert werden wollen. Grundsätzlich ist ein nachhaltiges Innovationsmanagement nicht schnell realisierbar. Das ist ein kontinuierlich laufender Prozess – wie ein Güterzug, der nur mit immenser Initialenergie in Gang kommt. Wenn der Zug erst einmal rollt, dann fährt er auch eine Zeit lang weiter, wenn die Maschinen gestoppt werden. Unternehmen sind also nicht schnell innovativ oder schnell uninnovativ.
Executive Circle: Wie viel Innovation muss aus dem Unternehmen selbst kommen, und wie viel kann von außen geholt werden?
P. Russo: Die Unternehmensführung muss die Initialenergie liefern und die Innovationen vorleben. Ein nachhaltiges Innovationsmanagement ist nicht möglich ohne die entsprechenden Strategien, Strukturen und Prozesse, die von der Unternehmensspitze etabliert und konsequent gelebt werden müssen. Nachhaltiges Innovationsmanagement bedeutet auch, dass Impulse von außen wichtig sind. Entwicklungspartnerschaften mit Hochschulen, Lieferanten oder Kunden können Ideen und Impulse geben. In der Automobilindustrie ist sogar die Zusammenarbeit mit Wettbewerbern gelebte Realität im Innovationsmanagement.
Executive Circle: Welche Rolle spielt die IT bei Innovationen in Unternehmen?
P. Russo: IT ist einer der bestimmenden Faktoren im Innovationsmanagement. IT-basiertes Ideenmanagement, IT-gestützte Geschäftsprozesse und IT-dominierte Erfolgskontrolle bedeuten Transparenz, Effizienz und Effektivität. Vor allem bei internen Innovationen wie Prozessverbesserungen ist die Informationstechnologie ein entscheidender Erfolgsfaktor.
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