Experten in dieser Ausgabe
Frank Koch ()
Florian Müller ()
Christian Mehrtens (Microsoft GmbH)
 

Arbeiten in einer integrierten Welt
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Strategische Arbeitsplatztechnologien

Die Informationstechnologie kann Mitarbeitern und Unternehmen dabei helfen, Unterschiede hinsichtlich Alter, Arbeitsstil, Arbeitsort und Nationalität zu überwinden. Mithilfe der IT können gemischte Arbeitskräfte auch einen Mehrwert schaffen, da sie zur Verbesserung der Beziehungen zu Kunden, Partnern und Talent Pools beiträgt. Kosten können reduziert werden, indem neue Leistungspotenziale aufgedeckt werden, und es entsteht ein Mehrwert durch innovative Prozesse, Produkte und Dienstleistungen. Die Informationstechnologie spielt in dreierlei Hinsicht eine Rolle:

Wissensmanagement. Ermöglicht die Speicherung und Übertragung von explizitem und implizitem Wissen über Generationen, Kulturen und Unternehmensgrenzen hinaus.

Mobilität und Verwaltung virtueller Arbeitskräfte. Erweitert die Funktionen und den Schutz des Unternehmens und dessen Datenressourcen für Menschen überall und zu jedem Zeitpunkt.

Zusammenarbeit und Koordinierung. Reduziert die virtuelle Distanz, erleichtert eine gut strukturierte Teamarbeit und schließt Partner in wichtige Prozesse mit ein.

Integration über den Arbeitsplatz hinaus

Die integrierte Welt hat nicht nur tief greifende Auswirkungen auf den Arbeitsplatz selbst, sondern auch über das traditionelle Bild des Arbeitsplatzes hinaus. Unternehmen müssen erkennen, dass auch ihre Produkte mit anderen Augen betrachtet werden, da ganze Verbrauchergruppen ihre Wertevorstellungen auf Grund der neuen Wirtschaft, der neuen sozialen Prioritäten und der neuen technologischen Möglichkeiten ändern. Das Umweltbewusstsein fördert das „grüne Konsumverhalten“. Immer mehr Kunden achten verstärkt darauf, wo die gekauften Produkte herkommen, wie sie verpackt sind und welche Auswirkungen sie auf die Umwelt haben.

Die Musikindustrie stand zum Beispiel vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle zu ändern, da ihre Gewinne aus physischen Medien wie CDs und DVDs durch das Internet und durch ungeschützte digitale Medienformate unterminiert wurden. Dieses Verwischen von kostenlosen und kostenpflichtigen Geschäfts­modellen war Thema des Titelberichts des Magazins Wired „Free! Why $0.00 is the Future of Business“. Der Bericht erklärt im Detail, warum Technologieinvestitionen in das Internet und die Versteilung dieser Investitionen auf Millionen von Nutzern die Einstiegskosten für diese Unternehmen gegen Null treibt. Die physischen Vermögenswerte des Vertriebs, die einst im Vordergrund des Interesses standen, haben sich auf Marketingmaterial reduziert. Im Falle von CDs sind dies Konzertwerbung, T-Shirts und Poster.

Der Autor Matt Mason beschreibt in seinem Buch The Pirate’s Dilemma das Geschäftspotenzial gemischter Vertriebsmodelle, d. h. von kostenlosen und kostenpflichtigen, bzw. legalen und „Piraten“-Distributionsmodellen.

Doch das Kostenlos-/Kostenpflichtig-Modell ist nur eine der Mischformen, die Unternehmen im Auge behalten sollten. Auch das Konzept von Struktur ist herausgefordert. Ehemals unstrukturierte Daten erhalten jetzt eine Struktur durch Metadaten. Durch diesen Wandel entstehen neue Möglichkeiten, Daten aus herkömmlichen Datenbanken mit formfreien Inhalten zu verknüpfen. Er bietet auch neue und wertvolle Einblicke in Bereiche, wo Fakten und Meinungen, Vermutungen und Tatsachen nebeneinander existieren können, um ein Geschäftsproblem von allen Seiten betrachten zu können, das früher vielleicht als schwarz oder weiß gesehen wurde.

Eigentumsverhältnisse werden ebenfalls infrage gestellt. Unternehmen öffnen derzeit ihre Systeme und Prozesse und wandeln sie so in Plattformen für Technologie und Handel um. Sie nutzen ihre Beherrschung des Standards sowie ihre Servicemodelle, um sich von ihren Konkurrenten abzuheben, deren Systeme vielleicht genauso kompatibel aber weniger flexibel oder innovativ in der Anwendung des Standards sind.

Fusionen und Übernahmen verwischen die Grenzen zwischen Unternehmen, was oftmals die Kunden verwirrt, die nach einem einzelnen Ansprechpartner oder einer einheitlichen Perspektive suchen. Diese Verwischung führt auch dazu, dass Unternehmen schnell die Schnittmenge zwischen Geschäftsprozessen und Finanzen finden müssen, um die rechtlichen Anforderungen und die durch die Fusion entstandenen Anforderungen zu erfüllen. Laut Stephen Kaufmann von der Harvard Business School zerstören zwischen 65 und 80 Prozent von Fusionen und Übernahmen den Unternehmenswert, anstatt diesen zu steigern. Überteuerte Gebote, die zu Schulden führen, sind oft verantwortlich für ein Scheitern. Eine weitere Ursache ist jedoch auch die Komplexität der Integration, bei der gut gemeinte Ziele oft unterminiert werden, so Dan Dalton, Professor an der Kelley School of Business der Indiana University.

Auch in der Finanzwelt verwischen sich Wachstum und Tragfähigkeit zu einem Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung (als „Triple Bottom Line“ bezeichnet), das neben der finanziellen Gesundheit des Unternehmens auch die ökologische und soziale Leistungsfähigkeit berücksichtigt. Das Argument ist, dass Aufsichtsbehörden, Aktionäre und Verbraucher dank dieses Drei-Säulen-Modells einen umfassenden Einblick in an der Börse gehandelte Unternehmen erhalten. Da es aber keine Standards für den Nachweis der sozialen und ökologischen Leistungsfähigkeit gibt, geht es bei diesem neuen Konzept eher um Wahrnehmung als um die Realität. Dies ist zumindest so lange der Fall, bis es Standardmessverfahren gibt.

Diese und viele weitere Faktoren tragen zur Neugestaltung der Geschäftswelt des 21. Jahrhunderts bei. Es gibt keinen alleinigen Ansatz zum Umgang mit diesen Änderungen, doch die Informationstechnologie spielt eine wichtige Rolle dabei, die richtigen Leute mit den richtigen Informationen zu verbinden. Sie führt Informationsquellen zusammen, aus denen Kundendatensätze entstehen, und erstellt eine einheitliche Ansicht, die sowohl sie selbst als auch die Handlungsträger, mit denen sie sprechen, unterstützen soll. Die Informationstechnologie ermöglicht zudem neue Einblicke, da mit ihrer Hilfe Muster in strukturierten und unstrukturierten Daten erkannt werden können. Sie ist auch der Schlüssel zum Wegfall der Vermittlerrolle, da sich die neue Informationsökonomie durch die Wünsche und Einschränkungen der Verbraucher ausdrückt.

Die Informationstechnologie wird ergänzt durch vorausschauendes Management, flexible Strategien und eine offene und ehrliche Kommunikation zwischen Verbrauchern und Unternehmen sowie zwischen Mitarbeitern und Arbeitgebern. Der wichtigsten Punkt ist vielleicht, dass die Informationstechnologie Unternehmen dabei unterstützt, die Komplexität der Integration zu bewältigen, die Antworten in einer gegebenen Situation zu verstehen und anschließend die richtigen Schritte zu unternehmen.



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