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Grüne IT nur als Kostenkiller gefragt
Der Umweltschutz tritt in der aktuellen Konjunkturflaute als Kaufargument mehr und mehr in den Hintergrund. Dennoch: Energieeffiziente Produkte sind gefragt.
Von Martin Ottomeier
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Am Schluss geht es doch vor allem um die Kosten. "Grüne IT um ihrer selbst willen ist 2009 kein Thema mehr", sagt Stephan Kaiser, Analyst beim IT-Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC). In der Informationstechnik seien ressourcenschonende Projekte fast immer durch Sparvorgaben vorangetrieben worden. Der Nutzen für die Umwelt sei eher ein Nebeneffekt gewesen.

Kostenkiller statt Klimaretter. Dort liegt nach dem Umwelthype im vergangenen Jahr wieder der Schwerpunkt - wegen der Wirtschaftskrise. Dennoch erwarten Experten, dass das Thema grüne Informationstechnologie langfristig nicht an Bedeutung verlieren wird.

Eigentlich soll diese Ausrichtung dabei helfen, die Umwelt zu schonen. Das Spektrum möglicher Technologien ist breit: von Strom sparenden Computern über Software zur Optimierung von Ressourcen bis zum Recycling. Schon die Hälfte aller deutschen Unternehmen hat sich eine Green-IT-Richtlinie gegeben, hat der IT-Dienstleister Accenture ermittelt. Die Firmen versprechen sich davon eine höhere Wettbewerbsfähigkeit oder ein besseres Markenimage.

Doch die Prioritäten verschieben sich. Weil Unternehmen derzeit überall ihre Kosten reduzieren, stagnieren oder sinken auch die IT-Budgets. IT-Chefs suchen daher fieberhaft nach Sparpotenzialen - und finden sie oft auch im Energieverbrauch. "Wir verzeichnen eine große Nachfrage nach Beratungen, bei denen Kunden schon mit geringen Investitionen und kleinen Modifikationen etwa im Rechenzentrum die Energieeffizienz erhöhen können", sagt Thomas Tauer, Manager für Green-IT-Projekte bei IBM Deutschland. Schon durch einfache Maßnahmen ließen sich die Energiekosten um rund 10 bis 20 Prozent senken.

Vor allem im Rechenzentrum sehen Experten viel Potenzial. Durch sogenannte Virtualisierung lassen sich etwa leistungsfähige Zentralrechner, sogenannte Server, besser auslasten. Dazu werden auf einem Computer mehrere virtuelle Server eingerichtet. Auch bei der Kühlung lassen sich einfach Einspareffekte erzielen. "Oft rechnen sich Investitionen in moderne, Strom sparende IT so schnell, dass die Investitionen in der Krise sogar vorgezogen werden", beobachtet Rolf Kühn, Leiter des Geschäftsbereichs Green IT bei Accenture.

Die Umweltdiskussionen der vergangenen Jahre haben hier durchaus das Bewusstsein bei vielen Managern geschärft. Noch vor ein paar Jahren wussten viele IT-Chefs nicht, wie hoch die Stromkosten in ihren Rechenzentren waren. Energieverbrauch und Energieeffizienz stünden nun im Fokus, sagt Analyst Kaiser. Zumal es heute auch neue Technologien und Software gibt, um den Energieverbrauch besser zu überwachen.

Die Werkzeuge gibt es auch auf der Cebit zu sehen. Das Thema Green IT hat die Messe in Halle 8 gebündelt, dort zeigen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen. So gibt es neben Strom sparenden Produkten zum Beispiel auch intelligente Stromzähler und neuartige Kühltechniken zu sehen.

Auch die Politik engagiert sich mittlerweile. Auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung im vergangenen November wurde ein Aktionsplan zur Green IT verkündet, mit dem Forschung, Entwicklung und Einsatz von ressourcenschonenden IT-Produkten und Dienstleistungen gefördert werden soll. Allein der Bund stellt dafür mehr als 400 Mio. Euro bereit.

Auch langfristig wird die Debatte nachwirken, glauben Experten. "Grüne Kriterien wie der Verzicht auf schädliche Substanzen in der Herstellung oder eine umweltschonende Entsorgung spielen schon heute bei der Beschaffung eine stärkere Rolle", sagt Kühn. Das werde auch in der Krise so bleiben. Die Firmen würden zudem verstärkt darauf achten, dass Zulieferer umweltschonend und nachhaltig agieren, weil sie nicht mit Umweltskandalen in Verbindung gebracht werden wollten.

Immerhin für ein Drittel der Unternehmen in den USA ist ihre Umweltstrategie so bedeutsam, dass die Krise wahrscheinlich keine Auswirkungen auf sie haben wird, heißt es in einer Studie, die der Netzwerkausrüster Cisco in Auftrag gegeben hat.