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IT-Firmen entdecken ihr grünes Gewissen
Informationstechnik verursacht weltweit genauso viel CO2 wie der Flugverkehr. Auch IT-Schrott ist ein großes Umweltproblem. Das geht die Branche nun offensiv an - unter Beobachtung der Umweltschutzorganisation Greenpeace.
Von Thomas Soltau
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Vor Kurzem erst hat Greenpeace die Bemühungen der IT-Branche gewürdigt, ihre Produkte umweltfreundlich zu konzipieren. Zu einer wirklich "grünen IT", fordert die Umweltorganisation, müssten auch Maßnahmen gegen den Elektronikschrott und der Verzicht auf umweltschädliche Materialien gehören.

"Ein wirklich grünes Produkt können uns die Hersteller noch nicht präsentieren", resümierte Greenpeace-Expertin Ulrike Kallee zur Vorstellung der Greenpeace- Studie in Hannover.

ITK verursacht laut einer Studie von Gartner etwa zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes. Damit steht sie als Treibhaus-Sünder auf einer Stufe mit dem Flugverkehr. Hinzu kommt, dass technologischer Fortschritt und Raumnot eine immer höhere Packungsdichte bei Prozessoren und Speichern fordern. Alleine zwei Drittel der Energie werden deshalb von oft ineffizienter Kühltechnik gefressen.

Hinzu kommen schwer abbaubare Giftstoffe in den Komponenten. Elektronische Bauteile ohne Substanzen wie Antimon und Beryllium gab es der Greenpeace-Studie zufolge nur in wenigen Geräten.

Green IT gewinnt an Bedeutung

Die Naturschutzorganisation World Wide Fund (WWF) fand auf der Suche nach umweltverträglichen Arbeitsplatzrechnern nur einen würdigen Vertreter: den Green-PC von Fujitsu Siemens. Das Gerät sollte leise und die Platinen weitgehend bleifrei sein. Zudem durften sie keine mit Brom versetzten Flammschutzmittel enthalten.

Klaus Dittrich, Geschäftsführer der Messe München, sieht die Unternehmen dennoch auf dem richtigen Kurs: "Im Vergleich zum Frühjahr dieses Jahres hat der Green IT-Zug‘ nochmals deutlich an Fahrt gewonnen. Zum Jahresendgeschäft der Branche nutzen IT-Schwergewichte wie Dell die Systems, um sich gegenüber Kunden aus Mittelstand und Großunternehmen nachdrücklich zu positionieren."

Dell engagiert sich stark im Bereich Energieeffizienz und hat ein Ziel: zum "grünsten" Technologieunternehmen der Welt zu werden. Erster Schritt: Dell setzt auf flexible und weniger Energie benötigende Rechenzentren, wie etwa die verbrauchsarmen Storage Area Networks (SANs) der Equallogic-PS5000-Serie. Mit dem Desktop-PC Vostro Energy Smart 410 soll ohne Leistungseinbußen bis zu 47 Prozent weniger Strom verbraucht werden als bei vergleichbaren Produkten.

Von Greenpeace gelobte Produkte PC Unter den Desktops erhielten Dell und HP die höchste Punktzahl in Sachen Umweltschutz. Bei den Notebooks lag das Sony Vaio TZ11 vorne. PDAs Am wenigsten zu beanstanden gab es am Sony Ericsson P1i, gefolgt vom HP iPAQ 510 und dem P350 von Mio Technology.

Virtuelle Anwendungen

Als Novum in der Branche offeriert der PC-Hersteller zudem Strom sparende Netzteile. Sie sollen bis zu acht Prozent effizienter arbeiten, als vom EPA Energy Star 4.0-Standard vorgeschrieben und erfüllen damit schon ein Jahr früher die Werte, die von der Climate Savers Computing Initiative zum 1. Juli 2009 vorgeschrieben werden. Die Initiative, der unter anderem Google und Intel angehören, will den Stromverbrauch bis 2010 um die Hälfte senken. So wären 3,7 Mrd. Euro Energiekosten einzusparen.

Eine Lösung für das Output-Management bietet Netops Druckverwaltungssoftware "Print-Limit Pro". Das Programm verfügt unter anderem über eine Analyse von Drucktätigkeiten - mit ihr lassen sich Farbausdrucke einschränken oder sperren. Ein indirekter Beitrag zur Green IT. Und IBM zeigt an einem eigenen Demopunkt Elemente des Rechenzentrums der Zukunft, inklusive IT-Lösungen zu Virtualisierung, Konsolidierung und Energieeffizienz.

Neue virtuelle Anwendungen wie etwa "Sentrion MPV" helfen den Kunden, durch Zusammenführung von Server und Anwendung beim Sparen. Da durch die sogenannte Virtualisierung die Serveranzahl verkleinert werden kann, sparen die Kunden unmittelbar Hardware, Flächen- und Energiebedarf.

"Mit Green IT ist nicht nur der energieeffiziente Betrieb von virtualisierter Hardware gemeint. Lösungen für effizientere Formen der globalen Zusammenarbeit im Kontext von neuen, virtualisierten Arbeitsmodellen werden etwa Geschäftsreisen zum großen Teil überflüssig machen", sagt Thomas Wiemers von Siemens Enterprise Communications für die Zukunft.

Die grünen Techniken seien echte Einsparungen für die Unternehmen und verbessern die Work-Life-Balance für die Mitarbeiter. Grundlage für die IT von morgen sei das Bekenntnis zu offenen Standards und Architekturen anstelle von proprietären Systemen. Dies führe zu neuen Formen der Zusammenarbeit von Herstellern.

Und Fujitsu Siemens trennt im eigenen Recyclingzentrum in Paderborn Geräte in bis zu 60 unterschiedliche Schadstoff-Fraktionen. Der nicht verwertbare Anteil, bei der Gründung 1988 noch 65 Prozent, ist 2002 schon auf unter zehn Prozent gesunken.

Insgesamt fallen Schätzungen zufolge weltweit jährlich zwischen 20 und 50 Millionen Tonnen Elektronikschrott an. Da es global keine einheitlichen Gesetze für die Entsorgung gibt, entsteht ein deutliches Gefälle zwischen Europa, den USA und Asien. Diese Schieflage und mangelnde Kontrollen leisten einem ausufernden E-Mülltourismus Vorschub. 80 Prozent der Altgeräte in den USA werden Richtung Asien zum "Recyceln" eingeschifft.

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