Vor Kurzem erst hat Greenpeace die Bemühungen der IT-Branche gewürdigt, ihre Produkte umweltfreundlich zu konzipieren. Gleichzeitig mahnte die Umweltorganisation, weitere konsequente Schritte einzuleiten. Denn zu einer wirklich "grünen IT" müssten auch Maßnahmen gegen den Elektronikschrott und der Verzicht auf umweltschädliche Materialien gehören, forderte Greenpeace.
"Ein wirklich grünes Produkt können uns die Hersteller noch nicht präsentieren", resümierte Greenpeace-Expertin Ulrike Kallee zur Vorstellung der Greenpeace-Studie in Hannover. Bislang verfolgt jede Firma eine unterschiedliche Strategie, um "grüner" zu werden. Verbraucher können sich entweder zwischen einem giftfreien oder einem energieeffizienten Produkt entscheiden.
Noch stecken in den meisten Komponenten schwer abbaubare Giftstoffe. Elektronische Bauteile ohne Substanzen wie Antimon und Beryllium gab es der Greenpaece-Studie zufolge in einigen wenigen Geräten. Bewertet wurden Energieeffizienz, Recycelbarkeit und Ersatz für schädliche chemische Substanzen. Keines schaffte die volle Punktzahl.
Fujitsu Siemens baut bleifreie PCs
Die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) fand auf der Suche nach umweltverträglichen Arbeitsplatzrechnern gar nur einen würdigen Vertreter: Den Green-PC von Fujitsu Siemens. Die Geräte sollten leise und die Platinen weitgehend bleifrei sein. Zudem durften sie keine mit Brom versetzten Flammschutzmittel enthalten.
Viele Hersteller gehen deshalb noch einen Schritt weiter und bauen ihren Computer gleich mit einem Gehäuse aus Holz. Die Firma Asus hat mit dem Bamboo Notebook und dem EcoBook zwei Prototypen vorgestellt, die den Umweltaktivisten begeistern. Die Konzeptstudie vom WoodShell-Laptop geht in die gleiche Richtung: Das Notebook von Fujitsu besteht aus mehreren dünnen Lagen Zedernholz. Die Scharniere zum Bildschirm bestehen aus Jute anstatt Plastik. Wo Plastik verwendet wurde, trägt es das Prädikat Bio.
Auf der CeBit 2008 zeigte MSI ein Notebook, dessen Gehäuse zu Teilen aus Holz besteht. Der GX620 ist immerhin teilweise biologisch abbaubar. Andere Hersteller versuchen sich an ungiftigen Gehäusealternativen und experimentieren mit Altpapier und Altpappe.
Firmen werden schnell grün
Der zweite Weg, für mehr Umweltschutz zu sorgen, ist die Minderung des Energieverbrauchs. Hersteller Christmann etwa hat Teo-X entwickelt, einen PC, der höchstens 40 Watt benötigt. Fujitsu Siemens zeigte mit dem Scaleo auf der Cebit ebenfalls ein energiesparendes Gerät.
Die IT-Branche entdeckt, nach dem großen Erfolg in der Lebensmittelbranche, tatsächlich zaghaft den Ökomarkt. Mit Initiativen wie dem Climate Savers Computing, der unter anderem Google und Intel angehören, soll der Stromverbrauch bis 2010 um die Hälfte sinken. So wären 3,7 Mrd. Euro Energiekosten einzusparen - der Ausstoß von Kohlendioxid könnte um 54 Millionen Tonnen pro Jahr verringert werden.
Wie schnell Firmen "grün" werden können, zeigt das Beispiel Apple: Nachdem das US-Zentrum für Umweltgesundheit (CEH) bekannt gab, dass Apples iPhone gesundheitsschädliche Bauteile enthält, klebte plötzlich auf den Handys ein Warnschild.
Dabei unterwirft Apple sich schon längst scharfen Umweltbestimmungen. Dem neusten Produkt, dem MacBookAir, spendierten die Kalifornier daraufhin ein zu 100 Prozent recycelbares Gehäuse.
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) kam jüngst zu dem Ergebnis, dass drei von vier Käufern für umweltfreundliche Elektronikgeräte und Technologie tiefer in die Tasche greifen würden. Mit dem von der Industrie geprägten Begriff "Green IT" konnte jedoch kaum ein Verbraucher etwas anfangen.