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Minimales Geschäftsmodell – maximaler Erfolg
Unternehmer sein – das heißt auch, einen ständigen Kampf wider die Komplexität zu führen. Manche Gründer und Manager haben die Reduktion auf das Wesentliche zum Prinzip gemacht – wie etwa Aldi mit seinem Minimalsortiment – und Millionen treue Kunden gefunden. Drei Businessminimalisten und ihre Erfolgsrezepte. Von Ingrid Weidner
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„In der Einfachheit liegt die größte Vollendung“, erklärt Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin und erfolgreicher Geschäftsmann. „Das gilt auch in der Ökonomie, nicht nur in der Kunst.“ Mit seiner ebenso einfachen wie genialen Idee der „Teekampagne“ wirbelt Faltin seit 1985 den Markt gehörig durcheinander. Damals war dem agilen Hochschullehrer die reine Lehre zu einseitig; er wollte seinen Studenten beweisen, dass es möglich ist, mit einem einfachen Geschäftsmodell erfolgreich zu sein. „1982 habe ich angefangen, intensiv darüber nachzudenken, 1985 ging es dann los“, erzählt Faltin. Zunächst musste der Wirtschaftsprofessor eine Handelsware finden, mit der seine Idee – ein Produkt und ein Vertriebsweg – funktionieren konnte.

Günter Faltin ärgerte sich damals über die überteuerten Tees, die in kleinen 100-Gramm-Päckchen feilgeboten wurden, noch dazu oft aromatisiert. Den Markt beherrschten damals wenige Anbieter. Nach einigen Recherchen war dem Wirtschaftswissenschaftler klar, dass Tee eine Ware ist, mit der er seine These von der Einfachheit ausprobieren konnte. In Indien kaufte er damals zwei Tonnen hochwertigen Darjeeling, ließ ihn per Schiff in Hamburg anliefern und mit einer vollautomatischen Verpackungsanlage in silberfarbene Ein-Kilogramm-Tüten abfüllen und direkt an die Kunden verschicken. Lagerkosten entstanden kaum, denn Teil des Konzepts ist es, dass sich die Käufer ihre Jahresration an schwarzem Tee ordern und anschließend die Lagerung selbst übernehmen. Neben der Qualität des Darjeelings überzeugte die Abnehmer der Preis, der deutlich unter dem der Einzelhändler lag.

Simples Portfolio, zufriedene Kunden

Komplexität ist der Feind des Unternehmensgründers. Viele scheitern daran und verschwinden wieder vom Markt. Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der FU Berlin und Gründe der Teekampagne„Zunächst hat mich die Konkurrenz ausgelacht und mir prophezeit, dass mein Konzept scheitern werde. Als wir erfolgreich waren, überzog sie uns mit einer Flut von Prozessen.“ Geschadet hat das dem Erfolg der Teekampagne keineswegs. Die Zahl der zufriedenen Kunden stieg stetig; heute bestellen rund 180.000 Teetrinker ihren Darjeeling dort. Den Versand wickelt ein Dienstleister in Hamburg ab, alle Geschäftsprozesse laufen über die Firmenzentrale in Potsdam. Faltin erweiterte inzwischen sein Angebot um weitere Tees wie grünen Darjeeling und bietet erstmals auch einen Bio-Darjeeling an. Eine freiwillige Rückstandsanalyse sichert die Qualität und trägt zur Glaubwürdigkeit des Angebots bei. Außerdem engagiert sich Faltin für Wiederaufforstungsprojekte in den Anbaugebieten; dorthin fließt ein Teil des Gewinns zurück.

„Komplexität ist der Feind des Unternehmensgründers. Viele scheitern daran und verschwinden wieder vom Markt“, weiß der Berliner Professor für Entrepreneurship. Doch einfache Geschäftskonzepte erfordern intensives Nachdenken und ausführliche Recherchen. „Man muss hart am Konzept arbeiten und lange daran feilen“, weiß er aus eigener Erfahrung. Immerhin beschäftigte sich Faltin über drei Jahre mit seiner Idee, bis daraus das Konzept der Teekampagne entstand. Gelohnt hat sich die Anstrengung auf jeden Fall, heute erwirtschaften 20 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von acht Millionen Euro und sorgen für eine ordentliche Rendite. Inzwischen hat sich Faltin mit seinem Modell Teekampagne nach Japan gewagt. Bisher sieht es danach aus, als ob sein Konzept der Einfachheit auch dort erfolgreich ist.



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