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Traceability – wo ist die Schraube?
Ob Hüftprothese oder Laptop-Akku – Produktionsfehler können heute ein Unternehmen ruinieren. Die wachsende Komplexität ist hier Risikofaktor Nummer eins, dem immer mehr Unternehmen mit Traceability begegnen. Rückverfolgung macht Abläufe transparent; sie erkennt sogar, welcher Arbeiter an welcher Maschine welche Schraube angezogen hat.
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Es ging nur um defekte Laptop-Akkus. Doch die Rückrufaktion kostete das japanische Großunternehmen bis heute 340 Millionen Euro. Aktienkurs und Image des namhaften Elektronikkonzerns befanden sich kurzzeitig im Keller. Und der CEO musste sich nach Landessitte öffentlich entschuldigen und sein Bedauern ausdrücken. Ein Szenario, das dem Mittelständler Ceramtec gar nicht erst passieren darf: Das Unternehmen aus Plochingen produziert seit mehr als 30 Jahren Komponenten aus Keramik für Hüftgelenke. „Rückrufaktionen können wir uns nicht erlauben!“, so Produktionsleiter Uwe Kemmer. „Es ist für uns überlebenswichtig, jeden Produktionsschritt vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden zu dokumentieren. Nur so lassen sich fehlerhafte Teile gezielt und sicher ausfindig machen.“

Rückverfolgung vom Grundstoff bis zu Auslieferung

Die Dokumentation jedes Produktionsschritts ist überlebenswichtig. Nur so lassen sich fehlerhafte Teile sicher ausfindig machen. Uwe Kemmer, Produktionsleiter CeramtecAus diesem Grund investierte Kemmers Unternehmen in eine sogenannte Traceability-Lösung des Spezialisten IBS. Diese Software kann sämtliche Produktions-, Material- und Qualitätsangaben kontrollieren und speichern. Dies erlaubt eine Rückverfolgbarkeit (Traceability) bis zur kleinsten Schraube – und verhindert, dass Zulieferungen geringerer Qualität in die Produktion einfließen.

Aber nicht nur das. Durchdachten Programmen stehen alle Chargen und Seriennummern auf Knopfdruck zur Verfügung. Sie dokumentieren, wo und wann ein fehlerhaftes Bauteil produziert und an wen es ausgeliefert wurde. Es lässt sich erkennen, welche Ressourcen am Produktionsprozess beteiligt waren. Selbst auf die involvierten Maschinen, Werkzeuge, Transportmittel oder gar Mitarbeiter eines Prozesses lässt sich die Rückverfolgbarkeit herunterbrechen.

Gerade für mittlere Unternehmen sind diese Lösungen interessant, vermeiden sie doch kostspielige Schadenersatzklagen – für die viele Mittelständler noch nicht einmal Versicherungsbeiträge aufbringen könnten. Der Einstieg in Traceability-Lösungen ist schon für einige Tausend Euro möglich. Derlei Programme beherrschen bereits die Rückverfolgung eines Produkts von der Anlieferung der Grundstoffe über die Herstellung bis zur Auslieferung. Arbeitet das Unternehmen jedoch so verbundorientiert wie etwa die Prozessindustrie, sind leicht mehrere Zehn- bis Hunderttausend Euro fällig.

Produkthaftung rasch geklärt

Dennoch kann sich für Firmenchefs diese Modernisierung zügig auszahlen: Zum einen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Industrie deutlich strenger geworden – etwa aufgrund des Produkthaftungsgesetzes oder durch EU-Verordnungen. Experten prognostizieren darüber hinaus, dass das, was seit Jahren in der Prozessindustrie üblich ist, auch in weiteren Branchen Einzug halten wird. In der Ernährungsindustrie zeichnet sich dieser Trend bereits ab. Von der Aussaat bis zur Ernte sind Landwirte heute per Gesetz verpflichtet zu dokumentieren, wann und womit gedüngt wurde und welche Betriebsmittel sie einsetzten. Außerdem drängen Großkonzerne ihre Zulieferer mehr und mehr dazu, die Rückverfolgung ihrer Produkte lückenlos sicherzustellen. Im Schadensfall soll sich einwandfrei klären lassen, wer die Schuld trägt.

Letztlich bietet der Zwang zu Traceability auch Chancen. Denn durch neue Lösungen sind Unternehmen nicht nur in der Lage, ihre Betriebssicherheit zu erhöhen und Versicherungsansprüchen besser zu genügen, sondern sie können gleichzeitig ihre Prozesse optimieren, die Produktion verschlanken und somit Kosten senken.



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